Der Weihnachtsmann muss ein fantastischer Kerl! Glauben wir an seine Existenz und durchdenken das Szenario der Geschenkeauslieferung an Weihnachten genauer, kommen wir zu enormen Ergebnissen. Wenn der freundliche, ältere Herr jedem Kind auf der Welt ein Geschenk überbringt, hat er Einiges vor in der Weihnachtsnacht. Er muss mit seinem Schlitten einen etwa 1,5 Millionen Tonnen schweren Geschenkesack von rund 490 Metern Höhe und 320 Metern Breite und Tiefe transportieren (statista). Um sich mitsamt seinem über 1,5 Tonnen schweren Geschenkesack auf den Weg machen zu können, benötigt der Weihnachtsmann gut 9 Millionen zugwillige Rentiere.

Apropos Rentiere, wie kommen die in die Weihnachtssymbolik? Fast überall in der Welt ziehen sie inzwischen den Schlitten, mit dem der Weihnachtsmann seine Geschenke verteilt. In der Bibel findet sich dergleichen jedenfalls nicht. Kein Wunder, denn der Mythos um die Rentiere entstand erst vor etwa 200 Jahren. Clement Clarke Moore, ein Professor aus New York, hat 1822 für seine Kinder ein Weihnachtsgedicht geschrieben und damit die geweihtragenden Kuriere erfunden. Erich Kästner hat das Gedicht, mehr als hundert Jahre danach, ins Deutsche übersetzt. (svz.de)

Als der Nikolas kam (Clement Clarke Moore / übersetzt von Erich Kästner)

In der Nacht vor dem Christfest, da regte im Haus
sich niemand und nichts, nicht mal eine Maus.
Die Strümpfe, die hingen paarweis am Kamin
und warteten drauf, daß Sankt Niklas erschien.
Die Kinder lagen gekuschelt im Bett
und träumten vom Apfel- und Nüsseballett.

Die Mutter schlief tief, und auch ich schlief brav,
wie die Murmeltiere im Winterschlaf,
als draußen vorm Hause ein Lärm losbrach,
daß ich aufsprang und dachte: Siehst rasch einmal nach!
Ich rannte zum Fenster, und fast noch im Lauf
stieß ich die knarrenden Läden auf.

Es hatte geschneit, und der Mondschein lag
so silbern auf allem, als sei’s heller Tag.
Acht winzige Rentierchen kamen gerannt,
vor einen ganz, ganz kleinen Schlitten gespannt!
Auf dem Bock saß ein Kutscher, so alt und so klein,
daß ich wußte, das kann nur der Nikolaus sein!

Die Rentiere kamen daher wie der Wind,
und der Alte, der pfiff, und er rief: “Geschwind!
Renn, Renner! Tanz, Tänzer! Flieg, fliegende Hitz’!
Hui, Sternschnupp’! Hui, Liebling! Hui, Donner und Blitz!
Die Veranda hinauf, und die Hauswand hinan!
Immer fort mit euch! Fort mit euch! Hui, mein Gespann!”

Wie das Laub, das der Herbststurm die Straßen lang fegt
und, steht was im Weg, in den Himmel hoch trägt,
so trug es den Schlitten auf unser Haus
samt dem Spielzeug und samt dem Sankt Nikolaus!
Kaum war das geschehen, vernahm ich schon schwach
das Stampfen der zierlichen Hufe vom Dach.

Dann wollt’ ich die Fensterläden zuzieh’n,
da plumpste der Nikolaus in den Kamin!
Sein Rock war aus Pelzwerk, vom Kopf bis zum Fuß.
Jetzt klebte er freilich voll Asche und Ruß.
Sein Bündel trug Nikolaus huckepack,
so wie die Hausierer bei uns ihren Sack.

Zwei Grübchen, wie lustig! Wie blitzte sein Blick!
Die Bäckchen zartrosa, die Nas’ rot und dick!
Der Bart war schneeweiß, und der drollige Mund
sah aus wie gemalt, so klein und halbrund.
Im Munde, da qualmte ein Pfeifenkopf,
und der Rauch, der umwand wie ein Kranz seinen Schopf.

Ich lachte hell, wie er so vor mir stand,
ein rundlicher Zwerg aus dem Elfenland.
Er schaute mich an und schnitt ein Gesicht,
als wollte er sagen: “Nun, fürchte dich nicht!”
Das Spielzeug stopfte er, eifrig und stumm,
in die Strümpfe, war fertig, drehte sich um,
hob den Finger zur Nase, nickte mir zu,
kroch in den Kamin und war fort im Nu!

In den Schlitten sprang er und pfiff dem Gespann,
da flogen sie schon über Tal und Tann.
Doch ich hört’ ihn noch rufen, von fern klang es sacht:
“Frohe Weihnachten allen, und allen gut’ Nacht!”

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Claudia von der Heide

Manager Marketing and PR

Claudia von der Heide

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